Hofgartenarkaden

Vorschlag für eine Arbeit in den Hofgartenarkaden

In Anknüpfung an die in den Hofgartenarkaden befindlichen Texte klassischer Autoren wie beispielsweise Goethe, Sappho und Ion, in denen die Schriftsteller Idyllen griechischer, antiker Orte beschreiben, sollten für die Dauer der Ausstellung „Zur Zeit“, die 1993 vom Kulturreferat der Stadt München organisiert wurde, an sieben nicht beschriebenen Flächen zwischen den Schaufenstern der Westarkaden Texte von SchriftstellerInnen angebracht werden, die in der Zeit des „Dritten Reichs“ verfolgt, interniert, ermordet wurden — ähnlich wie die bildenden KünstlerInnen, die 1937 in der Ausstellung der „Entarteten Kunst“ in den damaligen Räumen des Kunstvereins in den Hofgartenarkaden gezeigt wurden.

Inhaltlich korrespondieren die ausgewählten Texte mit den bereits in den Arkaden befindlichen Landschaftsidyllen, indem sie ebenfalls Landschaften schildern, jedoch: Landschaften des inneren und äußeren Exils — Landschaftsidyllen, beschrieben aus der „Nichtidylle“ des Ghettos/Verstecks, wie auch die durch die zwangsweise Verschleppung/Emigration entstandene Problematik an /mit diesen Orten.

Für die Platzierung der Texte in den Hofgartenarkaden spricht auch folgender historischer Kontext:

Der Hofgarten wurde um 1776 unter Maximilian Joseph III. für das Volk geöffnet und stellte im Gegensatz zu der damals ansonsten eher repressiv regierten und von der Zensur des nachfolgenden Kurfürsten Karl Theodors gedrückten Stadt einen Ort der „Freiheit“ dar: „alle Klassen von Menschen dürfen hereintreten, und so ganz ungehindert freye Luft athmen.“ (J. Sebastian Rittershausen, 1788, in Butlar, Biller, Der Münchner Hofgarten, 1988, S.83).

Zur Verherrlichung italienischer und griechischer Orte ließ Ludwig I. Fresken von Carl Rottmann anbringen, zu denen er selbst Distichen verfaßte und sich auch kräftig in die künstlerische Gestaltung einmischte. So entstanden Städteansichten und Landschaften, die Carl Rottmann in „Zusammenarbeit“ mit König Ludwig zu „Mahnmalen untergegangener Kulturen und … zu Erinnerungen vergangener Ereignisse“ werden läßt. (Bierhaus-Rüdiger in Butlar, Biller, a.a.O., S.95).

Zu „Erinnerungen vergangener Ereignisse“ wie auch zu „Mahnmalen untergegangener Kulturen“ sollten auch die neu angebrachten Texte werden: Erinnerung und Denkmal für eine geistige Landschaft, die durch die Verfolgung ihrer Schöpfer/Schöpferinnen bis heute zum großen Teil verloren gegangen ist. — Viele der Verfolgten starben an den Folgen der Emigration, töteten sich selbst, wurden ermordet, kehrten nicht mehr zurück, wurden lange totgeschwiegen.

Durch den behördlichen Ablehnungsbescheid der Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, 1993, konnte leider auch der Bildungsgedanke von König Ludwig I. nicht weitergeführt werden, der der Ausmalung der Hofgartenarkaden u.a. zu Grunde lag. (Cornelius und seine Schüler: Fresken zur Geschichte der Wittelsbacher)

Deshalb stand für die Dauer der Ausstellung exemplarisch ein Modell des abgelehnten Hofgartenprojektes am Rande des Marienhofs — in Form einer Mauer, deren Maße einer der Wandflächen in den Arkaden entsprach und die in dem gleichen pompeianischen Rot gestrichen war. Die Mauer wurde mit dem Gedicht „Bruder im Exil“ von Rose Ausländer mit der Schrifttype „Antiqua“ beschrieben.

 

 

 

Details

  • Jahr: 1993
  • Ort: München, Hofgartenarkaden